MagmaWorld

Teide: Der Gipfel Teneriffas - Legenden, Geologie & Astronomie

Erkunden Sie den Teide, Spaniens höchsten Gipfel. Entdecken Sie die Guanchen-Legenden vom Dämon Guayota, die riesige Las Cañadas Caldera und das Weltklasse-Observatorium Teide.

Standort Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien
Höhe 3.715 m
Typ Stratovulkan
Letzter Ausbruch 1909

Teide: Der Riese des Atlantiks

Der Teide (Pico del Teide) ist mehr als nur ein Berg; er ist die Seele Teneriffas und ein geologischer Titan des Atlantiks. Mit einer beeindruckenden Höhe von 3.715 Metern über dem Meeresspiegel – und etwa 7.500 Metern vom Meeresboden an – ist er der höchste Punkt Spaniens und die dritthöchste vulkanische Struktur der Welt, gemessen von seiner Basis. Dieser ruhende Stratovulkan, eingebettet in die spektakuläre Las Cañadas Caldera, ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und eines der bedeutendsten Naturwahrzeichen Europas.


1. Guanchen-Mythologie: Die Heimat von Guayota

Vor der spanischen Eroberung empfanden die Ureinwohner Teneriffas, bekannt als die Guanchen, sowohl Ehrfurcht als auch Schrecken vor dem Teide. Für sie war der Berg Echeyde, ein heiliger Ort, der als Tor zur Unterwelt und Wohnsitz der böswilligen Gottheit Guayota diente.

Die Legende von der Entführung der Sonne

Die alte Folklore der Guanchen erzählt, dass Guayota Magec, den Gott der Sonne und des Lichts, entführte und ihn in den Tiefen des Vulkans einsperrte. Die Welt wurde in eine schreckliche, ewige Dunkelheit gestürzt, und die Erde bebte vor der Wut des Dämons. Verzweifelt beteten die Guanchen zu Achamán, ihrem höchsten Gott und Schöpfer des Himmels.

Achamán stieg zur Erde herab, kämpfte in einer kataklysmischen Schlacht gegen Guayota und rettete Magec erfolgreich, wodurch das Licht auf die Kanarischen Inseln zurückkehrte. Um zu verhindern, dass Guayota jemals wieder entkommt, versiegelte Achamán den Dämon im Berg und krönte den Vulkan mit einem weißlichen Stopfen – dem Gipfelkrater, den wir heute sehen. Noch heute sagt man, dass die schwefelhaltigen Gase (Fumarolen), die vom Gipfel aufsteigen, der Atem des gefangenen Dämons seien. Der Name “Teide” ist eine hispanisierte Version des Guanchen-Wortes Echeyde, was wörtlich übersetzt “Hölle” oder “Das Haus des Dämons” bedeutet.

Heilige Stätten und Mumien

Archäologen haben entdeckt, dass die Guanchen die hochgelegenen Gebiete des Teide für spirituelle Rituale und Grabstätten nutzten. In Höhlen rund um die Caldera wurden mehrere Guanchen-Mumien gefunden, die durch die trockene, kalte Luft natürlich konserviert wurden. Diese “Xaxos” (Mumien) stellen eine Verbindung zu einer Zivilisation her, die lange bevor europäische Seeleute ihre Gipfel erblickten, im Einklang mit dem Vulkan lebte.

1492: Das Feuer, das Kolumbus den Weg wies

Es gibt eine faszinierende historische Fußnote, die den Teide mit der Entdeckung der Neuen Welt verbindet. Im Jahr 1492, als Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise nach Amerika an den Kanarischen Inseln vorbeisegelte, notierte er ein “großes Feuer” im Orotava-Tal in seinem Logbuch.

  • Der Ausbruch: Historiker und Geologen sind sich im Allgemeinen einig, dass Kolumbus einen Vulkanausbruch auf Teneriffa beobachtete, wenn auch wahrscheinlich nicht vom Gipfel des Teide, sondern von einem Flankenschlot (möglicherweise Boca Cangrejo).
  • Das Omen: Der Anblick des brennenden Berges versetzte seine Mannschaft in Angst und Schrecken, da sie es als schlechtes Omen für ihre Reise ins Unbekannte sahen. Kolumbus nutzte es jedoch, um sein Wissen über die Natur zu demonstrieren (unter Berufung auf den Ätna), um ihre Ängste zu beruhigen.

2. Geologische Entwicklung: Ein Riese erhebt sich aus dem Meer

Die Geschichte des Teide ist eine Saga aus Feuer, Erdrutschen und Wiedergeburt. Teneriffa entstand vor etwa 10 bis 12 Millionen Jahren durch die Verschmelzung von drei separaten Vulkaninseln (Anaga, Teno und Adeje). Der Teide, den wir heute kennen, ist jedoch geologisch gesehen ein relativ “junges” Merkmal.

Die Las Cañadas Caldera

Das auffälligste Merkmal der Landschaft ist die Las Cañadas Caldera, eine massive elliptische Senke mit den Maßen 16 km mal 11 km. Jahrzehntelang debattierten Geologen darüber, wie dieser Krater entstanden ist. Die heute vorherrschende Theorie besagt, dass er durch eine Reihe katastrophaler Mega-Erdrutsche entstand, bei denen die gesamte Nordflanke der Insel ins Meer stürzte, gefolgt von einem vertikalen Kollaps der Magmakammer. Der Boden dieser Caldera liegt 2.000 Meter über dem Meeresspiegel und ist gefüllt mit uralten Lavaströmen von unglaublichen Farben.

Astrobiologie: Die Mars-Verbindung

Die Caldera ist nicht nur ein geologisches Wunder; sie ist ein planetarer Analog.

  • Testgelände: Da die trockenen, felsigen und UV-bombardierten Bedingungen von Las Cañadas der Marsoberfläche sehr ähneln, nutzen die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und die NASA den Park häufig, um Planeten-Rover zu testen.
  • Die Suche nach Leben: Im Jahr 2010 bestätigten Forscher, die den Rover “Bridget” testeten, dass Instrumente, die auf dem Teide getestet wurden, in der Lage wären, Leben auf dem Mars nachzuweisen, falls es existiert. Der Park ist ein wichtiges Trainingsgelände für die robotischen Entdecker der Zukunft.

Die Entstehung von Teide-Pico Viejo

Nach dem Zusammenbruch der Caldera vor etwa 170.000 Jahren begann neue vulkanische Aktivität, den Teide-Pico Viejo-Komplex aufzubauen. Schicht für Schicht aus basaltischer und phonolitischer Lava sammelte sich an und schuf schließlich die Zwillingsgipfel. Der Gipfel des Teide, bekannt als El Pitón, ist die jüngste Ergänzung, gebildet durch viskose Lavaströme, die ihm seine markante spitze Form gegeben haben. Der letzte Gipfelausbruch produzierte die berühmten “Schwarzen Laven” (Lavas Negras), die man heute an der Flanke des Berges herabfließen sehen kann.


3. Astronomie: Ein Fenster zum Universum

Der Teide ist nicht nur ein geologischer Schatz, sondern auch ein wissenschaftliches Zentrum von Weltklasse. Seine Höhe und die Klarheit des Atlantikhimmels machen ihn zu einem der besten Orte der Erde für astronomische Beobachtung.

Das Teide-Observatorium

Das 1964 gegründete Teide-Observatorium (Observatorio del Teide) beherbergt einige der fortschrittlichsten Sonnenteleskope der Welt. Wissenschaftler untersuchen hier das Magnetfeld der Sonne und die innere Struktur von Sternen. Das “Himmelsgesetz” (Ley del Cielo) auf den Kanarischen Inseln regelt die Lichtverschmutzung, um sicherzustellen, dass das Observatorium einer der besten Orte bleibt, um den tiefen Kosmos zu sehen. Dieses Gesetz beschränkt sogar Flugrouten über dem Gebiet, um zu verhindern, dass Kondensstreifen die Teleskopmessungen stören.

Starlight Destination

Die UNESCO und die Starlight Foundation haben den Nationalpark Teide als “Starlight Destination” ausgezeichnet und damit seine außergewöhnlichen Qualitäten für die Sternenbeobachtung anerkannt. In klaren Nächten können Besucher 83 der 88 anerkannten Sternbilder und den spektakulären Bogen der Milchstraße mit beispielloser Klarheit beobachten. Der Astro-Tourismus ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig auf Teneriffa geworden, mit spezialisierten Führern, die Touren in das Herz des Parks für mitternächtliche Beobachtungssitzungen leiten.


4. Einzigartige Biodiversität: Leben in der Lava

Die raue Umgebung in großer Höhe hat ein einzigartiges Ökosystem hervorgebracht. Viele der hier vorkommenden Pflanzen und Tiere sind endemisch, das heißt, sie existieren nirgendwo sonst auf dem Planeten.

Der Rote Tajinaste

Die ikonischste Pflanze des Parks ist der Rote Tajinaste (Echium wildpretii). Im Frühling (Mai und Juni) bildet diese Pflanze eine riesige, kegelförmige Blütenähre aus, die bis zu drei Meter hoch werden kann und mit Tausenden winziger roter Blüten bedeckt ist. Es ist ein atemberaubender Anblick, der jedes Jahr Tausende von Fotografen anzieht. Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab und hinterlässt eine skelettartige silberne Struktur, die mehrere Monate bestehen bleibt.

Hochgebirgsfauna und das Teide-Veilchen

Der Park beherbergt auch das Teide-Veilchen (Viola cheiranthifolia), das den Rekord als höchstwachsende Blütenpflanze Spaniens hält und sogar an den Rändern des Gipfelkraters auf über 3.700 Metern wächst. Unter den Tieren ist die Teneriffa-Eidechse allgegenwärtig und sonnt sich auf den dunklen Vulkanfelsen. Das Kanaren-Langohr (Fledermaus) und der Teidefink sind weitere wichtige Bewohner dieser vulkanischen Wüste in großer Höhe.


5. Tourismus und Erkundung: Wandern auf dem Mars

Mit über 4,5 Millionen Besuchern jährlich ist der Teide der meistbesuchte Nationalpark Europas. Seine jenseitige Landschaft, die oft mit der Marsoberfläche verglichen wird, diente als Drehort für zahlreiche Hollywood-Filme, darunter Kampf der Titanen, Eine Million Jahre vor unserer Zeit und Star Wars.

Routen zum Gipfel

  • Teide-Seilbahn: Die meisten Besucher nehmen die Seilbahn, die von der Talstation in nur acht Minuten nach La Rambleta (3.555 m) fährt.
  • Montaña Blanca Route: Für Abenteuerlustige ist die Wanderung von Montaña Blanca eine anspruchsvolle fünf- bis sechsstündige Tour durch Bimssteinwüsten und alte Lavaströme. Sie führt an den legendären “Teide-Eiern” (Huevos del Teide) vorbei – riesigen schwarzen Obsidiankugeln.
  • Altavista-Hütte: Wanderer übernachten oft in der Altavista-Hütte, um den Gipfel zum Sonnenaufgang zu erreichen, ein Erlebnis, das viele als lebensverändernd beschreiben. Von hier aus kann man sehen, wie sich der Schatten des Berges bis zum Horizont erstreckt.

Die Gipfelgenehmigung

Um das fragile Ökosystem des Gipfels zu schützen, erfordert der letzte Aufstieg von La Rambleta zum Gipfelkrater (Weg Nr. 10 - Telesforo Bravo) eine kostenlose, aber begrenzte Genehmigung, die vom Nationalparkbüro ausgestellt wird. Es werden nur 200 Genehmigungen pro Tag ausgegeben, und diese sind in der Regel zwei bis drei Monate im Voraus ausgebucht.


6. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist der Teide noch aktiv?

Ja, der Teide gilt als schlafender, aber aktiver Vulkan. Sein letzter Ausbruch erfolgte 1909 aus dem Chinyero-Schlot an der Nordwestflanke. Obwohl es keine unmittelbaren Anzeichen für einen Ausbruch gibt, deutet das Vorhandensein aktiver Fumarolen (Schwefelgasquellen) am Gipfel darauf hin, dass das Vulkansystem noch lebt. Diese Quellen geben Gase mit Temperaturen von bis zu 86°C ab.

Wie kalt ist es auf dem Gipfel des Teide?

Die Temperatur am Gipfel kann deutlich niedriger sein als an der Küste. Es ist üblich, einen Unterschied von 15-20°C zwischen den Stränden von Las Américas und den Gipfeln von Las Cañadas zu haben. Selbst im Sommer können die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt fallen, und Schnee ist von Dezember bis März häufig. Besuchern wird immer geraten, warme Kleidung mitzubringen, auch wenn es sich in ihrem Hotel heiß anfühlt.

Kann man vom Gipfel aus Afrika sehen?

Obwohl viele Einheimische behaupten, dass man an extrem klaren Tagen die afrikanische Küste sehen kann, ist dies aufgrund der Erdkrümmung und der Entfernung (ca. 300 km) wissenschaftlich unwahrscheinlich. Man kann jedoch die anderen Inseln perfekt sehen: Gran Canaria, La Palma, La Gomera und El Hierro.

Warum ist der Sand in einigen Bereichen des Parks grün oder blau?

Die farbenfrohen Landschaften von Las Cañadas werden durch unterschiedliche Mineralzusammensetzungen in der Lava verursacht. Grüne Farben stammen oft vom Mineral Olivin, während blaue und grünlich-blaue Farbtöne aus der hydrothermalen Alteration resultieren – der Reaktion von Vulkangestein mit überhitztem Wasser und Gasen, die Mineralien wie Chlorit und sekundäres Siliziumdioxid erzeugt.

Was ist der Schatten des Teide?

Eines der spektakulärsten Phänomene ist der Schatten des Teide bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Der Vulkan wirft den größten Schatten der Welt auf das Meer. Interessanterweise ist sein Schatten trotz der unregelmäßigen Form des Berges ein perfektes Dreieck, was auf die Perspektive zurückzuführen ist, mit der die Sonne auf den Gipfel trifft. Den Schatten des Berges bei Sonnenuntergang auf die Insel Gran Canaria projiziert zu sehen, ist ein Erlebnis, das man gesehen haben muss.


Technische Daten

MerkmalDaten
Höhe3.715 m (12.188 ft)
KraterdurchmesserCa. 80 m
Letzter bedeutender Ausbruch1909 (Chinyero)
AuszeichnungUNESCO-Weltkulturerbe (seit 2007)
Fläche des Nationalparks18.990 Hektar
Nächste StadtVilaflor (14 km)

Der Teide ist ein Zeugnis der Dualität der Natur – ein Ort zerstörerischer Kraft und immenser Schönheit. Ob Sie sich für Mythologie, Wissenschaft oder einfach nur atemberaubende Aussichten interessieren, der “Gipfel Teneriffas” bietet ein Erlebnis, das wahrhaftig nicht von dieser Welt ist.

← Zurück zu allen Vulkanen