Vulkanischer Tremor
"Ein kontinuierliches seismisches Signal, das auf die Bewegung von Magma oder Gas unter einem Vulkan hinweist."
Ein vulkanischer Tremor ist ein zuverlässiges Notsignal eines erwachenden Riesen. Es handelt sich um eine kontinuierliche, rhythmische Bodenvibration, die durch die Bewegung von Flüssigkeiten (Magma, unter Druck stehendes Gas oder hydrothermales Wasser) im Inneren eines Vulkans verursacht wird.
Im Gegensatz zu einem typischen tektonischen Erdbeben, das auf einem Seismogramm wie ein scharfes „Knacken“ klingt, sieht ein Tremor wie eine kontinuierliche Wellenlinie aus – ähnlich der Schallwelle eines stetigen Windes oder eines dröhnenden Motors.
Die Physik: Warum es vibriert
Stellen Sie sich das Leitungssystem eines Vulkans als ein riesiges Musikinstrument vor, wie eine Orgelpfeife.
- Resonanz: Wenn Magma durch einen engen Kanal oder Riss drückt, erzeugt es Reibung und Turbulenzen. Diese Schwingung bringt das umgebende Gestein dazu, in einer bestimmten Frequenz mitzuschwingen (Resonanz).
- Harmonischer Tremor: Manchmal wird diese Vibration unglaublich stetig und rhythmisch (monochromatisch). Einen harmonischen Tremor auf einem Seismographen zu sehen, ist einer der stärksten Indikatoren dafür, dass sich Magma aktiv in Richtung Oberfläche bewegt und ein Ausbruch unmittelbar bevorstehen könnte.
Unterscheidung von Signalen
Vulkanologen unterscheiden zwischen drei Hauptarten seismischer Ereignisse:
- Vulkan-Tektonische (VT) Erdbeben: Hochfrequente, scharfe Stöße, verursacht durch brechendes Gestein, wenn Magma es auseinanderdrückt. Bedeutung: „Der Fels bricht.“
- Long-Period (LP) Ereignisse: Signale mit niedrigerer Frequenz, verursacht durch plötzliche Druckänderungen in Flüssigkeiten. Bedeutung: „Gas blubbert.“
- Tremor: Kontinuierliche, niederfrequente Vibration. Bedeutung: „Flüssigkeit fließt kontinuierlich.“
Fallstudien
- Mount St. Helens (1980): In den Wochen vor dem katastrophalen Ausbruch wurden harmonische Tremors so konstant, dass sie eine „kontinuierliche Energiefreisetzung“ bildeten und Wissenschaftler warnten, dass die Magmakammer instabil wurde.
- Holuhraun (Island, 2014): Eine massive Gangintrusion erzeugte tagelange intensive Tremors, als Magma 40 km horizontal unter der Erde wanderte, bevor es ausbrach.
Infraschall
Tremors sind nicht nur Bodenvibrationen; sie koppeln sich oft mit der Atmosphäre, um Infraschall zu erzeugen – Schallwellen, die zu tief sind, als dass Menschen sie hören könnten (< 20 Hz).
- Erkennung: Spezialisierte Mikrofone können dieses stille Dröhnen über Tausende von Kilometern hinweg erfassen und Frühwarndaten liefern, selbst wenn der Vulkan von Wolken verhüllt ist.
FAQ
F: Kann man einen Tremor mit den Ohren hören? A: Normalerweise nein. Die Frequenz ist oft zu niedrig. Wenn Sie jedoch sehr nah am Schlot sind, kann die Bodenvibration manchmal als physisches Summen in den Füßen gespürt werden, und die begleitende Gasfreisetzung könnte wie ein Jet-Triebwerk oder ein Güterzug klingen.
F: Bedeutet jeder Tremor einen Ausbruch? A: Nicht immer. Manchmal bewegt sich Magma, verursacht Tremors und bleibt dann unterirdisch stecken (eine Intrusion), ohne jemals die Oberfläche zu durchbrechen.